Kyrill

Orkan Kyrill vom 18.01.2007 und seine Auswirkungen speziell in Nuthe-Urstromtal 

Der stärkste Orkan seit über 20 Jahren beschäftigte uns am 18.01. dieses Jahres. Sein Name „Kyrill“.
An drei Orten bestand Tornadoverdacht: In Wittenberg-West, im Lauchhammer und in Brachwitz-Kemnitz.

Wetterablauf:
Seit dem Morgen zog bereits die Warmfront über uns hinweg und brachte bis zum Nachmittag 16 Liter Regen. Im Warmsektor erreichten wir knapp 15°C. Bereits am  frühen Nachmittag setzte der Wind ein und erreichte gegen 15 Uhr schon Sturmstärke 8 in Böen, später dann auch im Mittel. Die höchste Windspitze wurde um 19:15 25,4 m/s  aus Westen. Damit zog die Kaltfront des Orkans durch. Begleitet wurde sie durch ein nördliches und ein südliches Gewitter und einem starken Regenschauer von 7 Litern. Bereits um 19:10 fiel der Strom aus. Zur dieser Zeit zeigte das Barometer nur noch 975 hPa als Tiefpunkt und neuer Rekord. Bis dahin betrug die Falltendenz fast 7 hPa in 3 Stunden. Beim Frontdurchgang steig er binnen Minuten um 5 hPa. danach beruhigte sich der Wind auf Böen der Stärke 4 bis 6. Ca. 1 Stunde blieb es ruhig. Zum glück konnte das E-Werk die zeit für Reparaturen nutzen. Gegen Mitternacht war der Strom dann wieder da. Die Station hat mit Hilfe der Notstromversorgung durchgehalten und alle Daten geliefert. So auch passiert in Mühlanger bei Achim Kuhn. Was man leider von vielen automatischen Wetterstationen des DWD nicht behaupten kann. Dort fehlten einige Wetter. Nur durch die beispiellose Initiative der bemannten Wetterwarten gab es einigenortes überhaupt in der Sturmzeit brauchbare Wettermeldungen. Danach nahm der Sturm ein weiteres mal zu. Eine Schauerlinie brachte zwischen 1 und 3 Uhr des 19.01. nochmals 5 Liter und Windgeschwindigkeiten von wieder bis zu 25 m/s. Sie war also genau so stark, wie beim Frontdurchgang, dauerte aber nur 4 Stunden.

Sturmschäden:
Bei allen Schäden ist unsere Region in der Fläche relativ glimpflich davongekommen, obwohl örtlich sehr große Schäden zu beklagen sind. Zum normalen Schadensbild gehörten auch hier vor allem Westseiten von Waldgebieten mit stärkeren Brüchen. Oft waren dadurch Ortsverbindungsstraßen betroffen, die zeitweise bis Mitternacht wegen Räumungsarbeiten gesperrt waren, und auch beschädigte Hochspannungsleitungen. Stülpe und Jänickendorf konnten gegen Mitternacht wieder an das Netz genommen werden. Der Ort Holbeck dagegen wurde erst wieder am Folgetag Mittag an das Netz genommen. Das war aber gegenüber der Lausitz noch harmlos. Dort saß man bis zu einigen Tagen ohne Strom.
Denn örtlich kam es zu großen Beschädigungen, die nicht mehr alleine durch den Orkan zu erklären waren. Verwüstungen, wie sie nur bei einem Tornado entstehen konnten, gab es in unsere Region an drei Orten:
In Lauchhammer/Kahla, In Wittenberg (vor allem in Kleinwittenberg) und hier in Nuthe-Urstromtal (Teltow-Fläming) und Potsdam Mittelmark – in und zwischen den Ortschaften Brachwitz und Kemnitz.
Wie auch bei den beiden anderen Lokalitäten zeichnete sich in der Landschaft eine etwa 150 bis 200 breite Spur der Zerstörung ab. In diesem fall geht sie über 6 km. Dabei traten tornadotypische Schadensbilder auf. Neben dem vom Sturm entwurzelten und niedergestreckten Bäumen sind nur in der Schneise auch in halber Höhe abgebrochne und vor allem abgedrehte und zersplissene Bäume zu finden.
Nun zur Tornadospur anhand der Grafik. Sie beginnt bei  1 südwestlich der Ortschaft Brachwitz
hinter dem Friedhof. Die Schneise streifte ihn und zerstörte die Friedhofkapelle und viele Gräber. Der Tornado zog fast nach Osten. Im Ort wurden zwei Schauen den Erboden gleich gemacht. Die auf dem Bild war erst im November gedeckt worden. Der Tornado zog weiter am Waldrand entlang Richtung B2  2. Auf dem Weg wurden zwei  220kV-Leitungen zerstört. Auf dem Weg Richtung Kemnitz wurde diese markante Breche   3 in den  Wald geschlagen, bevor der Tornado kurz vor Kemnitz über die L73 trat und nördlich des Ortes weiter Richtung Osten zog. Die nächsten Bilder zeigen dabei den übertritt an der Straße und den Eingang des Fläming-Walk.  4 Fast jedes Haus der Ortschaft war mit Dachschäden in Mitleidenschaft gezogen worden. Glücklicherweise war nur das   letzte allein stehende Haus des Ortes direkt vom Tornado gestreift worden, wo ebenfalls eine Scheune in sich zusammen fiel. Nordwestlich des Ortes verliert sich die Spur dann.
Auch in Wahlsdorf (Niederer Fläming) ist eine Scheune zu Bruch gegangen. Dort ist aber nach in Augenscheinnahme des Ortes ein Tornado nahezu auszuschließen, da in der Umgebung keine Spur gefunden wurde und die Wälder hier nur den typischen Windbruch erkennen ließen.
So auch zwischen Stülpe und Ließen (TF), wo die nächsten Aufnahmen entstanden. Es waren
vor allen freistehende kleine Waldgebiete, die es hier besonders schwer getroffen wurden.
In Kahla bei Lauchammer bestätig sich der Tornadoverdacht wieder. Dazu näheres in den weiteren Zeitungsartikeln.
Wetterstation Jänickendorf
Marco Ringel 

Bildergalerie
-Tornado Brachwitz – B2 – Kemnitz (Nuthe-Urstromtal)

Orkan Kyrill vom 18.01.2007
und seine Auswirkungen speziell in Kahla Lauchhammer)